Allergie und Futtermittelintoleranz


Von Sophie Buchholz
3 Min. Lesezeit

Allergie und Futtermittelintoleranz

Hat meine Katze eine Allergie oder vielleicht doch eine Futtermittelintoleranz?

Allergie und Intoleranz sind nicht das gleiche. Bei einer Allergie ist das Immunsystem direkt betroffen, bei einer Intoleranz rebelliert der Körper, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist. Zum Glück kannst du deiner Katze bei beidem helfen, zuerst solltest du dir die Symptome anschauen und danach deinen Alltag anpassen.

Tatsächlich sind Futtermittelunverträglichkeiten die zweithäufigste Ursache für Hautentzündungen bei Katzen und machen schätzungsweise 11% - 12% aller allergischen Hauterkrankungen aus.

Doch bevor man das Futter wechselt, lohnt sich ein tieferer Blick in die Ursachen der Symptome. Denn nicht jede Reaktion des Körpers ist eine echte Allergie, und der Weg zur Besserung erfordert Geduld und Systematik.

Allergie oder Intoleranz? Der feine Unterschied

Medizinisch unterscheidet man streng zwischen zwei Mechanismen:

  • Die echte Futtermittelallergie:Ihr liegt eine Reaktion des Immunsystems zugrunde. Dabei reagiert die körpereigene Abwehr auf bestimmte Bestandteile des Futters. Die Reaktion richtet sich meist gegen Proteine aus der Nahrung. Welche immunologischen Mechanismen dabei im Einzelfall beteiligt sind, ist bei Katzen nicht immer eindeutig.

Häufige Auslöser für Allergien: Rindfleisch, Fisch, Hühnchen, Milchprodukte, Weizen, Mais, Eier, Lamm, künstliche Farbstoffe oder Konservierungsmittel

  • Die Futtermittelintoleranz: Hier rebelliert der Körper, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist. Dazu gehören metabolische Reaktionen (wie eine angeborene Enzymschwäche), Reaktionen auf pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe oder klassische Futtervergiftungen durch Bakterien- und Pilztoxine.

Die Symptome an der Haut und im Magen

Wie zeigt sich eine Unverträglichkeit? Überraschenderweise oft nicht nur im Bauch.

  • Die Haut (Dermatologie): Typisch ist ein nicht saisonaler Juckreiz. Katzen kratzen oder lecken sich so intensiv, dass selbst herbeigeführte Wunden (Läsionen), Haarausfall (Alopezie) oder sekundäre bakterielle Hautinfektionen entstehen. Besonders häufig betroffen sind der Kopf- und Halsbereich sowie die Ohren und das Abdomen.
  • Der Verdauungstrakt (Gastrointestinal): Bei vielen betroffenen Katzen rebelliert gleichzeitig oder isoliert der Magen-Darm-Trakt. Chronisches Erbrechen, Durchfall sowie entzündliche Veränderungen des Darms (Enteritis und Kolitis) sind die Folge.

Hinweis: Auch Flöhe, Parasiten, Infektionen, Stress oder organische Erkrankungen können exakt dieselben Symptome hervorrufen. Treten Haut- und Magen-Darm-Probleme jedoch gleichzeitig auf, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Futterunverträglichkeit massiv an.

Der Weg zur Diagnose: Der Goldstandard

Es gibt eine ernüchternde Nachricht für alle, die auf einen schnellen Blut- oder Hauttest hoffen: Bis heute existieren keine verlässlichen Labortests zur Diagnose einer Futtermittelallergie bei Katzen. Der einzig anerkannte Goldstandard ist eine konsequent durchgeführte Ausschlussdiät mit anschließender Provokationsdiät.

  • Die Proteinquelle wechseln: Die Katze erhält über einen Zeitraum von mindestens 8 bis 10 Wochen eine einzige Eiweißquelle, die sie in ihrem Leben noch nie gefressen hat. Alternativ können tierärztliche Diäten mit stark hydrolysierten Proteinen eingesetzt werden. Dabei werden die Proteine in kleinere Bestandteile aufgespalten, wodurch eine allergische Reaktion weniger wahrscheinlich werden soll.

Dabei muss man absolut Konsequent sein und kein Leckerli oder ähnliches Füttern. Die Katze darf ausschließlich die festgelegte Diät erhalten.

  • Die Gegenprobe (Provokation): Bessern sich die Symptome unter der Diät, folgt der entscheidende Schritt: Die Katze bekommt gezielt wieder das alte Futter. Flammen die Symptome wieder auf, ist die Diagnose gesichert. Reagiert sie nicht, lag die ursprüngliche Ursache womöglich eher an einer mangelhaften Verdaulichkeit des alten Futters oder einer gestörten Darmflora, die sich durch die Diät schlicht erholen konnte.



Was du bei der Fütterung jetzt beachten solltest

Ist das Problem identifiziert, müssen die auslösenden Komponenten lebenslang strikt vermieden werden. Steht ein bedarfsdeckendes Diätfutter zur Verfügung, das die Katze gut akzeptiert und verträgt, kann dieses eine praktische Lösung für die langfristige Fütterung sein. Da Katzen jedoch extrem selektive und oft wählerische Fresser sind, lässt die Akzeptanz einer Futtersorte nach einiger Zeit gerne nach. Hier hilft es, zwischen zwei verträglichen Marken oder Proteinquellen zu wechseln.

Wer die Ausschlussdiät dauerhaft durch Barfen oder Kochen weiterführen möchte, muss auf Mangelernährung aufpassen. Eine reine Fleischfütterung führt über wenige Wochen hinaus zu schweren Nährstoffmängeln. Daher müssen Kalzium, Vitamine und Spurenelemente präzise ergänzt werden, um Skeletterkrankungen zu vermeiden. Zusätzlich können Omega-3-Fettsäuren, beispielsweise aus Fischöl, aufgrund ihrer entzündungsmodulierenden Eigenschaften die Ernährung bei Hautproblemen sinnvoll ergänzen.

Mit einer maßgeschneiderten Fütterung lässt sich die Lebensqualität betroffener Katzen fast immer vollständig wiederherstellen und Kratzen, Durchfall oder Erbrechen erschweren das Leben deiner Katze weniger