Übergewicht


Von Sophie Buchholz
4 Min. Lesezeit

Übergewicht

Die unsichtbaren Kilos: Warum wir das Übergewicht unserer Katzen unterschätzen

Übergewicht bei Katzen ist kein Schönheitsfehler und erst recht nicht niedlich. Adipositas ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Daher zeigen wir euch hier mal, was die Folgen von Übergewicht sind, wie Übergewicht entsteht und wie man seiner Katze helfen kann, wieder Kilos zu verlieren

So ein Tag im Bett mit Netflix, Chips und Eiscreme kann sehr verlockend sein. Entsprechend fühlt sich auch so mancher Vierbeiner. Der Unterschied ist jedoch, dass du wahrscheinlich Einkaufen und zur Arbeit gehst oder dich mit Freunden treffen wirst. Aber was macht deine Katze in der Zeit? Wahrscheinlich das gleiche wie gestern, wo ihr noch zusammen auf der Couch gelegen habt. so ein Leben führt bei einer Katze schnell zu Übergewicht. In der Tiermedizin gilt das nicht als Schönheitsfehler, sondern als ernstzunehmende Erkrankung. Definiert ist Adipositas (Fettleibigkeit) klinisch genau dann, wenn eine Katze ihr Idealgewicht um mindestens 15 % überschreitet. 

Das unterschätzte Krankheitsrisiko im Körper

Übergewicht schränkt nicht nur die Lebensfreude und Bewegungsfreiheit der Katze massiv ein, sondern in schweren Fällen ist sie aufgrund der körperlichen Barriere nicht einmal mehr in der Lage, sich selbst ordentlich zu putzen. Viel schwerer wiegen jedoch die unsichtbaren Gefahren. Übergewicht ist der maßgebliche Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ II, die am häufigsten vorkommende Form des Diabetes bei Katzen darstellt.

Leptin und Insulin sollen in einem gesunden Körper die Futteraufnahme drosseln. Bei übergewichtigen Katzen entwickelt sich jedoch eine Leptin- und Insulinresistenz. Das körpereigene Warnsystem verliert seine Funktionalität, wodurch ein gestörtes Sättigungsgefühl und fortschreitende Stoffwechselentgleisung ausgelöst wird.

Wie entsteht Übergewicht bei Katzen?

Adipositas entsteht, wenn die Energieaufnahme über einen längeren Zeitraum höher ist als der tatsächliche Energieverbrauch. 

Die Hauptgründe für dieses energetische Ungleichgewicht liegen meist im Haltungsmanagement:

  • Der Kastrations-Faktor: Die Kastration gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren. Sie führt physiologisch häufig zu einem verminderten Energieumsatz bei gleichzeitig gesteigertem Appetit. Wird die Futtermenge nach dem Eingriff nicht strikt angepasst oder auf ein passendes Futter umgestellt, ist eine Gewichtszunahme fast vorprogrammiert.
  • Wohnungshaltung Bewegungsmangel: Reine Wohnungskatzen bewegen sich naturgemäß deutlich weniger als Freigänger und verbrauchen folglich weit weniger Energie.
  • Die Snack-Falle Besitzerverhalten: Studien zeigen, dass insbesondere in Haushalten mit sehr intensivem Bezug zum Tier vermehrt übergewichtige Katzen leben. Die regelmäßige Gabe von energiereichem Futter, Leckerlis oder vermeintlich "guten" Extras wie frischem Fleisch oder Fisch treiben die Kalorienbilanz unbemerkt in die Höhe, da sie selten von der Hauptration abgezogen werden. Hinzu kommt die Gefahr der unkontrollierten Fremdfütterung in der Nachbarschaft bei Freigängern.

Warum übergewichtige Katzen nicht einfach abnehmen 

Viele Halter wundern sich, warum ihre Katze trotz "normaler" Futtermengen einfach nicht abnimmt. Die Ursache liegt in der Biologie der Erkrankung: Die Entstehung verläuft von einer dynamischen Initialphase (in der das Fettgewebe aufgebaut wird) hinein in eine statische Phase. Ist der Körperfettgehalt erst einmal erhöht, befindet sich das Tier in einem neuen energetischen Gleichgewicht. Das bedeutet: Um dieses ungesunde Übergewicht schlicht zu erhalten, reicht der Katze ab sofort eine Energiemenge aus, die für eine normalgewichtige, fitte Katze eigentlich zur Erhaltung gedacht wäre. Das Fettgewebe "schützt" sich quasi selbst vor dem Abbau, wenn nicht gezielt interveniert wird.

Der sichere Weg zurück zum Idealgewicht

Wer das Gewicht seiner Katze reduzieren möchte, sollte dabei Schritt für Schritt und mit einem gut geplanten Vorgehen vorgehen.

Hinweis: Lebensgefahr durch Radikaldiäten

Eine Katze darf niemals durch Hungern abnehmen. Besonders übergewichtige Katzen haben bei stark verringerter Futteraufnahme oder länger anhaltender Futterverweigerung ein erhöhtes Risiko für eine hepatische Lipidose. Dabei werden große Mengen Körperfett mobilisiert und in der Leber eingelagert, wodurch ihre Funktion schwer beeinträchtigt werden kann. Eine hepatische Lipidose ist lebensbedrohlich und muss tierärztlich behandelt werden.


Ein gesundes Gewichtsmanagement basiert daher auf drei Säulen:

  1. Präzise Rationsberechnung statt Schätzung: Die Energiezufuhr muss kontrolliert reduziert werden, ohne die Versorgung mit Protein, Vitaminen und Mineralstoffen zu gefährden. Spezielle Reduktionsfutter können dabei sinnvoll sein, da sie trotz geringerer Kalorienzufuhr eine ausreichende Nährstoffversorgung ermöglichen. Wird das bisherige Futter weiterverwendet, sollte die reduzierte Ration fachlich überprüft werden.
  2. Volumen durch Ballaststoffe und Feuchtigkeit: Damit die Katze trotz reduzierter Kalorien satt wird, arbeiten moderne Diätkonzepte mit einer Erhöhung des Futtervolumens. Dies gelingt durch einen höheren Gehalt an unverdaulichen Rohfasern, einen erhöhten Wassergehalt im Futter oder spezielle, "luftigere" Krokettenstrukturen beim Trockenfutter.
  3. Futter erarbeiten lassen und Beschäftigung bieten: Aus Sicht des Tierschutzes müssen Katzen ihr arteigenes Beschäftigungsbedürfnis beim Fressen ausleben können. Statt den Napf lieblos vollzufüllen, sollte die Fütterungstechnik umgestellt werden. Lassen Sie Wohnungskatzen ihr Trockenfutter oder Leckerlis im Spiel suchen, verstecken Sie es in Intelligenzspielzeugen (z. B. Kugeln mit Löchern) oder nutzen Sie sogenannte Lickimats (Schleckmatten) für Feuchtfutter. Das steigert die Geschicklichkeit, verlängert die Beschäftigungszeit und erhöht vor allem spielerisch die Aktivität und damit den täglichen Energieumsatz des Tieres.

Ein gesundes Körpergewicht unterstützt Beweglichkeit und Lebensqualität und reduziert das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen. Starkes Übergewicht ist dagegen mit gesundheitlichen Einschränkungen und einer geringeren Lebenserwartung verbunden.